Neue Facebook-Gruppe gestartet

Gemeinsam mit Christopher Stocksmeier habe ich vor einigen Tagen die Facebook-Gruppe Freelancer Playground eröffnet. Christopher Stocksmeier ist virtueller Assistent und bietet unter anderem Telefonmarketing sowie verschiedene Marketing- und (Online-) Dienstleistungen an.

Die Gruppe richtet sich an Freiberufler, Einzelunternehmer oder junge Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen und Berufsgruppen.

Wir freuen uns, Euch in der Gruppe zu begrüßen und auf den Austausch mit Euch zu vielen Themen.

Bei Rückfragen oder Anregungen wendet Euch gerne per E-Mail an Christopher oder mich.

Deutsche Sprache in Österreich

Wann habt Ihr zuletzt einen Erdapfel, einen Paradeiser oder eine Marille gegessen? Diese Begriffe sind in Österreich weit verbreitet. Ein Erdapfel ist eine Kartoffel, ein Paradeiser eine Tomate und eine Marille eine Aprikose. Diese drei kleinen kulinarischen Beispiele zeigen, dass es in Österreich einige Begriffe gibt, die in Deutschland nicht verwendet werden. Wie schon in meinem Text zum Deutsch in der Schweiz kann ich auch hier nur auf einige Besonderheiten des österreichischen Deutsch eingehen.

Standardsprache in Österreich

Österreichisches Deutsch bezeichnet die Standardsprache, also das in Österreich gesprochene Hochdeutsch. Im Alltag werden jedoch auch in Österreich verschiedene Dialekte gesprochen. Viele Besonderheiten der Sprache kommen aus den regionalen Dialekten. Vor allem rund ums Essen und in der Landwirtschaft gibt es einige spezielle Ausdrücke. 23 davon sind sogar durch Verträge mit der EU geschützt, damit die Österreicher keine Wörter aus dem in Deutschland gesprochenen Deutsch verwenden müssen.

Im Alltag werden oft bairische und alemannische Dialekte gesprochen, die aber kaum Einfluss auf die Schriftsprache haben. Wichtige Einflüsse kommen dagegen aus Sprachen wie dem Tschechischen, dem Slowenischen oder dem Ungarischen. Ein Teil des Wortschatzes ist mit dem Dialekten in Bayern eng verwandt. Das in Österreich gesprochene Deutsch zeigt sehr schön, wie vielfältig eine Sprache, die in mehreren Ländern gesprochen wird, sein kann. Wer als Deutscher nach Österreich reist, versteht nicht unbedingt auf Anhieb alles, was Österreicher sagen.

Unterschiede im Wortschatz, der Grammatik und der Aussprache

Heute gibt es viele Unterschiede im Wortschatz, aber auch in der Grammatik, der Schreibweise und der Aussprache. Österreich hat sich 1996 an der Rechtschreibreform beteiligt, gab damals aber nicht seine sprachlichen Besonderheiten auf. Der Österreichische Bundesverlag in Wien gibt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung sogar ein eigenes Österreichisches Wörterbuch heraus. In Österreich ist es übrigens durchaus üblich, dass in vielen Sätzen immer wieder umgangssprachliche Wörter oder Begriffe aus Dialekten in die Hochsprache eingebaut werden. Dies ist auch in den Medien und der Literatur zu beobachten.

Unterschiede in der Grammatik

Mit Blick auf die Grammatik ist ein Beispiel, dass Zahlen auf -er gebildet werden. Statt „die Eins“ sagen Österreicher also „der Einser“. Ein Komma wird in Österreich Beistrich genannt und das Semikolon ist als Strichpunkt bekannt. Auch bei Uhrzeiten können Deutsche in Österreich leicht durcheinander kommen. 15.15 Uhr ist meist viertel vier, 15.30 Uhr halb vier und 15.45 Uhr dreiviertel vier. Auch bei Artikeln und der Bildung der Zeiten gibt es im Österreichischen Deutsch einige Besonderheiten. So sagen Österreicher beispielsweise „das Cola“ oder „das E-Mail“. In einigen Regionen ist auch „der Butter“ oder „das Teller“ üblich. Sogar bei Präpositionen zeigen sich Unterschiede. So sagt man in Österreich beispielsweise „etwas um zehn Euro kaufen“ oder „ich gehe in die Arbeit“.

Unterschiede in der Schreibweise

Einige Wärter werden in Österreich anders geschrieben als in Deutschland. Beispiele sind „ohneweiteres“ oder „Kücken“. Letzteres hängt mit einem Unterschied in der Aussprache des Wortes „Küken“ zusammen. Ohnehin zeigen sich bei der Aussprache einige Unterschiede. Beispielsweise werden Endungen auf -ig oft genauso ausgesprochen und nicht wie in Deutschland oft zu einem -ich.

Hier noch einige Beispiele für besondere Wörter aus dem Österreichischen:

der Akt = die Akte

Kindertagesheim = Kindergarten

die Matura = das Abitur

Jänner = Januar

Rote Rübe = Rote Beete

Topfen = Quark

die Ordination = die (Arzt-) Praxis

Beitragsbild:

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Schweizerdeutsch

Deutsch wird nicht nun in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und Teilen Belgiens und Luxemburgs. Dazu kommen weltweit weiter kleinere Sprechergemeinschaften. Rund 90 bis 105 Millionen Menschen auf der Welt sprechen Deutsch als Muttersprache, weitere 80 Millionen als Zweit- oder Fremdsprache. Dies ist wieder der Beginn einer kleinen Serie. Heute möchte ich einen Blick auf das Deutsch in der Schweiz werfen, weitere Varianten des Deutschen folgen in den nächsten Wochen.

Wortschatz ist unterschiedlich

Je nach Sprachgebiet gibt es einige Unterschiede. So gibt es in Österreich oder der Schweiz Wörter, die in Deutschland nicht verwendet werden. In der Deutschschweiz leben fast sechs Millionen Menschen, die Schweizerdeutsch sprechen. Vor allem in Zürich, Basel und Bern wird Deutsch gesprochen. Der Begriff Schweizerdeutsch umfasst dabei mehrere Dialekte, die zumeist im Alltag gesprochen werden. Das Schweizer Hochdeutsch nutzen die Menschen eher in Gespräche mit Schweizern aus anderen Landesteilen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf alle linguistischen Eigenheiten des Schweizer Hochdeutsch eingehen, sondern lediglich einen Überblick geben und dafür sensibilisieren, dass es von einer Sprache nicht nur eine festgelegte Variante gibt. Viele Sprachen der Welt haben regionale Eigenheiten und sind stetig im Wandel, was für mich Sprachen zu etwas sehr Faszinierendem macht.

Schweizer Hochdeutsch als Standardsprache in der Schweiz

Das Schweizer Hochdeutsch ist die Standardsprache in der Schweiz und Liechtenstein und eine Varietät der deutschen Sprache. Beispielsweise bei der Wortbildung, dem Wortschatz und der Aussprache gibt es einige Unterschiede zum in Deutschland gesprochenen Deutsch. Diese Besonderheiten, vor allem Begriffe, die es nur in der Schweiz gibt, werden Helvetismen genannt.

Das Schweizer Hochdeutsch wird oft nur schriftlich verwendet. Statt des ß schreiben die Schweizer zwei s. Auf vielen Computern fehlt sogar das ß. Auch die Umlaute ä, ö und ü werden häufig ae, oe und ue geschrieben. Allerdings werden beispielsweise Landschaftsbezeichnungen mit Umlaut geschrieben.

In Texten in den Medien, bei Behörden oder in Unternehmen wird in der Regel das Schweizer Hochdeutsch verwendet. Im mündlichen Gebrauch kommt das Schweizer Hochdeutsch beispielsweise im Schulunterricht oder in Nachrichtensendungen vor. Privat nutzen die Deutschschweizer das Schweizer Hochdeutsch in der Regel nur, wenn ihr Gesprächspartner den regionalen Dialekt nicht versteht. Übrigens werden in der Schweiz Dialekte sehr viel mehr geschätzt als in Deutschland.

Diglossie in der Schweiz

So wird deutlich, dass in der Schweiz eine Diglossie-Situation besteht. Standardsprache und Dialekte werden in unterschiedlichen kommunikativen Situationen verwendet und sind klar voneinander getrennt. Dennoch gehört das Schweizer Hochdeutsch zu den vier Amtssprachen des Landes. Viele Schweizer empfinden Hochdeutsch, dass sie oft in der Schule gelernt haben, aber als Fremdsprache.

Hier noch ein paar Beispiele für besondere Wörter im Schweizer Hochdeutsch:

Führerausweis = Führerschein

Peperoni = Paprika

Peperoncini = Peperoni

Tram = Straßenbahn

Entscheid = Entscheidung

parkieren = parken

Das Verb „parkieren“ ist ein Beispiel dafür, dass die französische Sprache großen Einfluss auf das Schweizer Hochdeutsch hat. Schon im 17. und 17. Jahrhundert wurden viele französische Wörter übernommen. Weitere Lehnwörter aus dem Französischen sind:

Coiffeur = Friseur

Glace (Glacé) = Eis

Velo = Fahrrad

Poulet = gebratenes Hähnchen

Dialekte im Alltag

Wie bereits gesagt werden im Alltag oft Dialekte gesprochen, die unter dem Begriff Schweizerdeutsch zusammengefasst werden. Bei diesen Dialekten handelt es sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht um sogenannte alemannische Dialekte. Dieser Begriff bezieht sich auf Dialekte aus dem deutschen Sprachraum. Die einzelnen Dialekte unterscheiden sich teilweise sehr stark. In manchen Gegenden spricht jedes Dorf einen eigenen Dialekt.

Oft wird zwischen

  • östlichem Schweizerdeutsch
  • wesentlichen Schweizerdeutsch
  • nördlichem Schweizerdeutsch und
  • südlichem Schweizerdeutsch

unterschieden. Zwischen diesen vier Varianten gibt es insbesondere in der Aussprache deutliche Unterschiede. Zudem lassen sich diese vier Regionen nochmals unterteilen. Bei der Aussprache von Vokalen gibt es ebenso Unterschiede wie bei der Betonung und bei Wortendungen. Zudem wird oft und gerne die Verkleierungsform -li verwendet (beispielsweise „Hundeli“). Einige dieser Verkleinerungsformen haben es sogar in anderen Varianten des Deutschen geschafft. Ein Beispiel ist „Müesli“, das vielleicht bekannteste Wort aus dem Schweizerdeutsch. Sogar für Verben gibt es eine Verkleinerungsform.

Wörter aus dem Schweizerdeutsch

Hier noch eine kleine Auswahl typischer Wörter aus dem Schweizerdeutsch:

äxgüsi oder éxgüsee = Entschuldigung (von französisch „excusez“)

Büsi, Büüssi oder Busle = Katze

Kolleeg = Kumpel, Freund

merssi = Dankeschön (von französisch „merci“)

Zmittag = Mittagessen»

Zmorge = Frühstück

Znacht = Abendessen»

Ein weiteres bekanntes Wort aus dem Schweizerdeutsch ist übrigens das Wort Putsch, was man vielleicht bei der Schweiz, die oft wenig mit Themen wie Militär oder Armee verbindet, nicht unbedingt erwartet. Außerdem muss hier noch angemerkt werden, dass es für die Dialekte in der Schweiz keine einheitliche und standardisierte Rechtschreibung gibt. Eine Ausnahme bildet das Baseldeutsche, wo es beispielsweise bei der Basler Fasnacht festgelegt Schreibweisen gibt.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/photos/winterlandschaft-schweizer-fahne-5892061/

Weiter im Homeoffice arbeiten oder zurück ins Büro?

Für mich ist Homeoffice seit vielen Jahren Alltag. Nur selten bin ich für Projekte vor Ort. Daher bin ich auch ans allein Arbeiten gewöhnt und habe meine Tricks entwickelt, um eine ideale Arbeitsumgebung zu schaffen und Prokrastination nach Möglichkeit zu vermeiden. Für andere fällt am 1. Juli die Pflicht, das Unternehmen wann immer möglich, Homeoffice anbieten müssen, weg. Die Corona-Maßnahmen werden auch in diesem Punkt gelockert.

Homeoffice aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken

Ich denke, Homeoffice ist aus der Arbeitswelt spätestens nach den letzten fast 18 Monaten nicht mehr wegzudenken. Kehren nun wirklich bald alle Mitarbeitenden ins Büro zurück oder werden hybride Modelle attraktiver? Laut statista.de waren im Januar 24 Prozent der Beschäftigten in Deutschland im Homeoffice. Im ersten Lockdown im April 2020 waren es sogar ein paar Prozent mehr. Vor der Pandemie arbeiteten nur vier Prozent im Homeoffice.

Andere Umfragen gehen davon aus, dass im Durchschnitt 32 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland gelegentlich oder regelmäßig im Homeoffice arbeiten. Dies sind elf Millionen Menschen. Jeder Dritte hat in der Krise das Homeoffice zum ersten Mal kennengelernt. Wer schon zuvor gelegentlich im Homeoffice gearbeitet hat, macht dies nun noch häufiger. Viele würden dieses Arrangement gerne auch nach der Pandemie beibehalten, doch nicht jeder Chef sieht dies genauso. Allerdings liegen auch für Unternehmen einige Vorteile auf der Hand, denn sie sparen Kosten für Miete, Strom und Heizung.

Homeoffice auch in Zukunft immer wichtiger

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat seit Beginn der Pandemie einige Studien zu diesem Themenfeld durchgeführt. Schon Ende 2020 kam eine Umfrage zu dem Ergebnis, dass über 70 Prozent der befragten Unternehmen auch in Zukunft das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen wollen. Im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie stimmten dieser Aussage nur 42 Prozent der Befragten zu.

Neben dem Homeoffice gibt es auch die Konzepte des Remote work oder des mobilen Arbeitens. Diese gehen eher Richtung „arbeiten von überall“. Beschäftigte müssen also nicht am Schreibtisch zu Hause arbeiten, sondern können ihre Aufgaben auch im Café oder am Strand erledigen. Auch ich freue mich, wenn ich bald wieder häufiger mit dem Laptop in meinem Lieblingscafé sitzen darf. Etwas „Tapetenwechsel“ ist gerade bei kreativen Arbeiten notwendig. Komplizierte Texte schreiben und vor allem Korrekturlesen oder Überarbeitungen kann ich nicht gut im Café erledigen, aber für Routineaufgaben oder Brainstorming ist ein Café ideal. Oft bekomme ich hier frische Impulse und ein leckerer Latte macchiato kann eine echte Inspiration sein!

Wie wollt Ihr in Zukunft arbeiten? Zurück ins Büro? Mehr Homeoffice oder häufiger mit dem Laptop ins Café? Ich freue mich auf Eure Gedanken zu diesem Thema.

Beitragsbild: Privat (Copywright Elisabeth Gieseler)

Meine Lieblingsbücher im Lockdown

Die aktuelle Situation fällt vielen von uns sicher nicht leicht. Noch immer gibt es zahlreiche Lockdown-Beschränkungen, die Infektionszahlen steigen wieder, flächendeckende Impfungen sind für viele noch nicht in Sicht. Und abgesehen von den ersten frühlingshaften Tagen ist das Wetter oft auch eher mittelmäßig. Was mich immer durch schwierige Zeiten bringt, ist das Lesen. Daher möchte ich mit euch einige Bücher teilen, die ich während der letzten Monate gelesen habe. Dies ist natürlich sehr persönlich und Bücher sind immer auch eine Frage des Geschmacks. Daher ist diese Liste kein Best-of-Ranking oder eine Lese- / Kaufempfehlung.

1. Little Women

Im letzten Februar, kurz vor dem ersten Lockdown, war ich nochmal im Kino und habe „Little Women“ von Greta Gerwig gesehen. Aus heutiger Sicht erscheint der Abend wie aus einer sehr fernen Zeit, denn das Kino war an diesem Abend sehr voll. Kurz danach habe ich den Roman von Louisa May Alcott aus dem Jahr 1868 gelesen. In „Little Women“ geht es um vier Schwestern, die ihrem Platz im Leben suchen. Die vier jungen Fragen sind sehr unterschiedlich und jede hat ihre eigenen Talente.

2. My own words

Im letzten Jahr starb die amerikanische Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg im Alter von 87 Jahren. Bis zuletzt war sie Richterin am Supreme Court. Zeit ihres Lebens waren ihr Frauenrechte und die Gleichstellung von Männern und Frauen ein wichtiges Anliegen. In „My own words“, dass ich wenige Monate vor ihrem Tod im September 2020 gelesen habe, sind Texte und Redemanuskripte von Ruth Bader Ginsburg gesammelt. Einer der Texte im Buch schrieb Bader Ginsburg schon in der 8. Klasse!

3. The Lord of the Rings

„Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien und die Welt von Mittelerde faszinieren mich seit meiner Jugend. Als vor fast genau 20 Jahren der erste Film der Trilogie erschien, war ich natürlich begeistert. Schon seit längerem wollte ich das Buch, dass sicher zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, auch auf Englisch lesen und so erneut in die Welt von Mittelerde eintauchen. Der Lockdown war eine ideale Zeit dafür.

4. A promised land

Politik und Geschichte interessieren mich sehr. Auch Biografien lese ich gerne, um mehr über die Menschen dahinter zu erfahren. Daher war „A promised land“ von Barack Obama Ende 2020 für mich quasi eine Pflichtlektüre. „Becoming“ von Michelle Obama hatte ich ein Jahr zuvor gelesen und Barack Obamas erste beiden Bücher „Dreams from my Father“ und „The audacity of hope“ vor mehr als zwölf Jahren, als Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt. In „A promised land“ geht es vor allem um Obamas erste Jahre als Präsident. Was mir bei diesem Buch besonders in Erinnerung geblieben ist, ist, dass es oft nicht um ihn geht. Er schreibt oft von seinen Mitarbeitern und Beratern und zeigt so, dass er viele Dinge alleine nicht geschafft hätte.

5. Kingsbridge-Trilogie und Jahrhundert-Trilogie

Die Jahrhundert-Trilogie und die Kingsbridge-Trilogie von Ken Follet habe ich zwar vor dem Lockdown gelesen, doch sie sollen hier stellvertretend für den Schriftsteller stehen, da sie seine wohl bekanntesten Werke sind. Zuletzt habe ich Die Pfeiler der Macht“ über eine englische Bankiersfamilie und „Die Leopardin“ über eine englische Spionin im Zweiten Weltkrieg gelesen. Mit Follet taucht der Leser stets in eine längst vergangene Zeit ein und lernt viel über diese, da die Bücher in der Regel sehr gut recherchiert sind. Oft lese ich Follet-Roman mit Hilfe von Google, um direkt Dinge, die mir bisher unbekannt waren, nachzulesen oder mit über historische Persönlichkeiten zu informieren. Zudem sind bei Follet oft Protagonisten aus mehreren Ländern sowie vielseitige Frauenfiguren Teil der Geschichte.

Was habt ihr im Lockdown gelesen? Vielleicht hab ihr Buch-Tipps für mich.

Mit moderner Technik gegen das Aussterben von Sprachen

Zahlreiche Sprachen sind vom Aussterben bedroht. Mittlerweile gib es einige Ideen und technische Hilfsmittel, die mit moderner Technik das Aussterben von Sprachen verhindern wollen. Der Bremer Student Bonaventure Dossou hat beispielsweise eine Übersetzungs-App für Regionalsprachen entwickelt. Begonnen hat das Projekt mit Dossous Muttersprache Fon, die er selbst jedoch kaum spricht.

Über 2.000 Sprachen auf dem afrikanischen Kontinent

Auf dem afrikanischen Kontinent werden 2.000 Sprachen gesprochen, doch der Google-Übersetzer hat davon nur 15 integriert. Viele Webseiten sind auch in afrikanischen Ländern auf Englisch und Französisch, was die indigenen Sprachen weiter zurückdrängt. Ist eine Sprache im Internet nicht sichtbar, wird sie weiter verdrängt.

Allein in Nigeria werden 515 Sprachen gesprochen und auch in Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo oder Tansania sprechen die Menschen weit über 100 Sprachen. Damit ist Afrika ein Kontinent mit großer Sprachenvielfalt. Doch in vielen afrikanischen Ländern sind die Sprachen der früheren Kolonialherren wie Französisch oder Englisch noch immer weit verbreitet und oft Amtssprache.

Fon gehört zu den 50 Sprachen und Dialekten, die in Benin gesprochen werden. Nur 8,8 Prozent der Bevölkerung sprachen Französisch, dennoch ist die Sprache der ehemaligen Kolonialherren weiter Amtssprache in dem westafrikanischen Land. Als Dossou in Benin zur Schule ging, wurde die Verwendung von Fon bestraft. Gemeinsam mit einem Freund hat Dossou nun eine App entwickelt, die Fon ins Französische übersetzt.

App-Projekt in Mexiko

Dossou ist nicht der Einzige, der mit moderner Technik Sprachen vor dem Aussterben retten will. In Mexiko arbeiten laut der Tageszeitung „La Jornada“ Studenten der Autonomen Universität Chapingo an einer App, die indigene Sprachen in Mexiko mit moderner Technik vor dem Aussterben retten soll. Seit einigen Jahren arbeiteten die Studenten an der App „Miyotl“, die bald für 15 indigene Sprachen zum Download zur Verfügung stehen soll und später auf 68 Sprachen anwachsen soll. In Mexiko sprechen noch über sieben Millionen Menschen eine indigene Sprache, allerdings sinkt auch hier die Zahl der indigenen Bevölkerung. Damit gehen auch die Sprachen nach und nach verloren.

Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache

Laut der deutschen Unesco-Kommission geht alle zwei Wochen irgendwo auf der Welt eine Sprache verloren. Eine Studie der Universität Amsterdam geht davon aus, dass die Hälfte der etwa 6.7000 Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Vor allem für kleine Sprechergemeinschaften ist es schwer, ihre Sprache zu erhalten. Für viele Sprachen gibt es weder eine einheitliche, festgelegt Schrift noch eine Grammatik. Unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen ist es für viele Eltern verlockend, ihren Kindern eher eine größere Sprache beizubringen, damit sie später in Schule und Beruf bessere Chancen haben.

Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent ist die Situation komplex. Wirft man einen Blick auf die Landkarte Afrikas, so hat man das Gefühl, jemand hätte einfach mit dem Lineal Striche gezogen, die Ländergrenzen darstellen sollen. Dies ist nicht ganz falsch. Zur Kolonialzeit wurden künstliche Grenzen auf dem Kontinent gezogen, die zur Folge hatten, dass sprachliche und kulturelle Gemeinschaften getrennt wurden.

Auf dem Gebiet eines Staates lebten nun Menschen mit ganz unterschiedlichen Muttersprachen. Daher wurden die ehemaligen Kolonialsprachen oftmals als Verkehrssprache, also als überregionale Sprache zur Kommunikation, beibehalten. Zudem sah man in den Sprachen der ehemaligen Kolonialherren ein Mittel, die unterschiedlichen Sprachgemeinschaften zu integrieren und Einheit zu schaffen, obwohl diese Sprachen über Jahrhunderte mit Schmerz und Spaltung verbunden waren.

Nur selten lokale Sprache Amtssprache

Nur wenige Länder auf dem afrikanischen Kontinent entschieden sich dafür, eine lokale Sprache zur Amtssprache zu machen. In Ruanda ist Kinyarwanda Amtssprache und in Lesotho die Sprache Sotho. In Tansania wurde Kisuaheli zur Amtssprache. Kisuaheli ist in vielen afrikanischen Ländern eine wichtige Verkehrssprache und im Osten Afrikas die am weitesten verbreitete Sprache.

In Tansania wird aber weiterhin auch Englisch gesprochen. Viele Menschen sprechen Englisch, Kisuaheli und die Sprache ihres Dorfes. Mehrsprachigkeit ist daher vollkommen normal. In Grundschulen wird Kisuaheli unterrichtet, an weiterführenden Schulen und Universitäten ist Englisch die Unterrichtssprache. Wer also kein Englisch spricht, hat kaum Chancen auf eine gute Bildung und einen guten Job. Dies betrifft oft Kinder aus ärmeren Bevölkerungsgruppen und ländlichen Gegenden. In Tansania gibt es daher seit einiger Zeit eine Diskussion über die Bedeutung der englischen Sprache.

Muttersprache steht für kulturelle Vielfalt und Identität

Harrison Mwilima, der Berlin-Korrespondent der Kisuaheli-Redaktion der DW, vertritt in einem Beitrag zum Tag der Muttersprache für die Deutsche Welle die Auffassung, Regierungen in Afrika sollten sicherstellen, dass die Menschen effektiv in ihren eigenen Sprachen kommunizieren können und auch in ihrer Muttersprache Bildung erlangen können. Dies würde auch dazu beitragen, die besondere afrikanische Identität zu erhalten bzw. wieder zur erreichen, denn Sprache ist nicht nur ein Werkzeug zur Kommunikation, sondern auch ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur und Identität. Denkbar ist, dass auch in Zukunft Projekte mit dem Einsatz moderner Technik gegen das Aussterben von Sprachen helfen können.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/photos/w%C3%B6rterbuch-sprachen-lernen-ausland-2317654/

Internationaler Tag der Muttersprache 2021

Seit dem Jahr 2000 gibt es den Internationalen Tag der Muttersprache der UNESCO. Dieser Tag soll an die Förderung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt und der Mehrsprachigkeit erinnern und findet jedes Jahr am 21. Februar statt. Zudem wird auf bedrohte Sprachen aufmerksam gemacht. In Deutschland wird in diesem Jahr auch auf Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, hingewiesen.

Über 50 Prozent aller Sprachen vom Aussterben bedroht

Die UNESCO betont dabei, dass über die Hälfte der in aller Welt gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Damit will die UNESCO ein Zeichen setzen, dass mit Sprachen mit Blick auf die kulturelle Identität gefördert werden sollten. Der zweite Aspekt dieses Gedenktages ist das Fremdsprachenlernen und Mehrsprachigkeit, was ein wichtiger Beitrag zu gegenseitigem Verständnis und Respekt ist.

Daher weist die UNESCO jedes Jahr auch auf sogenannte Minderheitensprachen hin, die oft von weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden. In Deutschland hören beispielsweise Saterfriesisch, Niedersorbisch und Romanes zu den Minderheitensprachen. Saterfriesisch wird in der Nähe von Oldenburg noch von etwa 1.500 bis 2.500 Menschen gesprochen und Niedersorbisch wird in der Niederlausitz in Brandenburg von rund 7.000 Menschen gesprochen.

Diese Sprachen werden oft nicht mehr an Kinder weitergegeben und verlieren so nach und nach weiter an Bedeutung. Sterben die letzten Sprecher, geraten diese Sprachen oft ganz in Vergessenheit. Einige Sprachen, die nur von wenigen Menschen gesprochen werden, sind noch nicht einmal dokumentiert.

Zu den Sprachen, die Jahr für Jahr in Vergessenheit geraten oder vom Aussterben bedroht sind, gehören längst nicht nur die Sprachen indigener Völker, sondern auch europäische Sprachen. Ein Beispiel ist Sami. Sami wird im Norden Skandinaviens und in Teilen Russlands gesprochen und ist die Sprache einer dortigen Minderheit. Eine interessante Übersicht zu bedrohten Sprachen war zum Internationalen Tag der Muttersprache 2021 auch auf Zeit Online zu finden.

Ursprung in Pakistan

Der Tag der Muttersprache hat seinen Ursprung in Pakistan. Dort beschloss die damalige Regierung 1952, dass Urdu die alleinige Amtssprache werden sollte. Urdu wurde zu diesem Zeitpunkt nur von drei Prozent der Menschen als Muttersprache gesprochen. Die Menschen in Ostpakistan sprachen nur Bengalisch. In der Folge gab es Proteste, bei denen am 21. Februar 1952 mehrere Menschen starben. Später spaltete sich Ostpakistan vom Rest des Landes ab und der Staat Bangladesch entstand. Dort ist seit Anfang der 1970er Jahr der 21. Februar der „Tag der Märtyrer“, bzw. der Tag der Muttersprache, ein nationaler Feiertag. 1999 stellte Bangladesch dann einen Antrag bei der UNESCO, die den Tag zum Internationalen Tag der Muttersprache erklärte.

PEN hebt Romanes hervor

Die Autorenvereinigung PEN weist in diesem Jahr anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache besonders auf Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, hin. PEN will damit auch auf ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in Deutschland aufmerksam manchen. Laut dem UNESCO-Atlas der bedrohten Sprachen wird Romanes als bedroht eingestuft. Sinti und Roma werden in Deutschland seit 1998 gesetzlich als nationale Minderheit anerkannt. In Deutschland leben etwa 70.000 bis 150.000 Sinti und Roma.

Wie viele Sinti und Roma genau in Deutschland leben, ist nur schwer zu sagen und historisch problematisch. Im Nationalsozialismus wurde durch die rassenhygienische Forschungsstelle eine Zählung vorgenommen, auf deren Grundlage die Deportation und der Völkermord an den Sinti und Roma (Porajmos) durchgeführt wurde. Dem Völkermord an den Sinti und Roma fielen mindestens eine halbe Million Menschen zum Opfer.

Sinti, die größte Gruppe der Roma, leben schon seit über 600 Jahren in Deutschland. Ihre Muttersprache ist Romanes, die indogermanische Wurzeln hat und nur mündlich überliefert ist. Eine einheitliche Schriftsprache gibt es bisher nicht. Im Nationalsozialismus wurde in vielen Familien kein Romanes gesprochen. Seit den 1980er Jahren gibt es einige Vereine, die die Sprache wieder pflegen und Kindern vermitteln. Auch im RomArchive, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, werden Sprache und Kultur der Sinti und Roma gepflegt.

Wertschätzung von ganz unterschiedlichen Muttersprachen geht damit auch mit Völkerverständnis und Respekt gegenüber anderen Kulturen einher.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/illustrations/schule-tafel-sprachen-schultafel-1063556/

Abibliophobie: Die Angst, keinen Lesestoff mehr zu haben

Vor einigen Tagen bin ich im Internet auf den Begriff „Abibliophobie“ gestoßen, den ich bisher nicht kannte. Letztendlich beschreibt der Ausdruck die Angst vor einem Mangel an Büchern (biblíon = Buch; phobos = Angst). Damit wäre dies aus medizinischer Sicht wohl sogar eine Angststörung oder Phobie.

Es gibt demnach wohl eine (krankhafte) Angst, keinen Lesestoff mehr zu haben. Nach der Internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) würde Abibliophobie unter Spezifische Phobien (ICD-10 F40.2) fallen und damit in die gleiche Kategorie wie die Angst vor Spritzen oder Flugangst.

Angst vor Mangel an Lesestoff eine Phobie?

Ich bin keine Medizinerin oder Psychologin und kann daher nicht beurteilen, ob Abibliophobie in der Tat eine Phobie darstellt und ab wann Büchersammeln ungesund und behandlungsbedürftig ist. Betroffene besitzen viele Bücher, auch wenn sie diese gar nicht gelesen haben und haben Angst vor einem Mangel an Büchern. Dieses Phänomen kenne ich nur zu gut. Ich glaube, pathologisch ist das Büchersammeln bei mir (noch) nicht, doch auch ich habe zahlreiche Bücher in meinem Regal. Ich habe sie nie gezählt, doch die 100 habe ich sicher schon vor langer Zeit überschritten – und es kommen immer neue Bücher dazu.

Lesen gehört für mich zum Leben einfach dazu. Nachdem ich lesen gelernt hatte, dauerte es nicht lange, bis ich „Hanni und Nanni“ für mich entdeckte. Später kamen Enid Blytons „Fünf Freunde“ und Astrid Lindgren dazu. Als Jugendliche entdeckte ich ein Buch, das mich bis heute begleitet: J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Später las ich natürlich auch den „Hobbit“ und weitere Werke aus Mittelerde. Heute lese ich von Biografien über Romanen bis hin zu Thrillern fast alles, was mir in die Finger kommt.

Bücher aus der Buchhandlung oder vom Flohmarkt

Oft kaufe ich in der Buchhandlung (oder im Moment leider viel zu oft online) Bücher, die mich besonders interessieren. Die „Wühltische“ mit Mängelexemplaren ziehen mich aber genauso magisch an wie Bücher auf Flohmärkten. Und in Antiquariaten oder kleineren Buchhandlungen kann ich mich stundenlang aufhalten und in neuen und alten Büchern stöbern.

Ich möchte ein Buch in der Hand fühlen, es riechen und mir Notizen machen können. Und auf jeden Fall sammle ich Bücher. Ein Buch wegzuwerfen ist für mich fast unmöglich. Einfach nur ein Buch in der Bücherei ausleihen, ist für mich unbefriedigend. Ich möchte Bücher selbst besitzen – am besten in physischer Form – und so oft wieder lesen, wie ich möchte. Das Lesen von Büchern über iBook-Reader und andere kleine Geräte bedeutet für mich nicht die gleiche Faszination. Daher bin ich mit dieser Technik bisher „noch nicht richtig warm geworden“. Aber vielleicht ändert sich das ja in Zukunft, sodass sich bei mir nicht mehr die gelesenen und ungelesenen Bücher stapeln.

Beitragsbild: privat / © Elisabeth Gieseler

Words matter oder die Macht der Worte

„Words matter“ ist eine Formulierung (oder gar Forderung), die insbesondere in den USA immer wieder zu hören ist. Eine deutsche Übersetzung ist schwierig. Ich würde „Words matter“ als „Worte machen einen Unterschied“ übersetzen. Gemeint ist, dass Worte wichtig sind und Taten auslösen können. Worte prägen zudem unsere Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata.

Lösen Worte Taten aus?

Zuletzt fiel die Formulierung „Words matter“ immer wieder in Zusammenhang mit Donald Trump. Am 6. Januar 2021 sagte der Ex-Präsident in seiner Rede vor dem Kapitol in Washington unter anderem:

“Now it is up to Congress to confront this egregious assault on our democracy. And after this, we’re going to walk down and I’ll be there with you. We’re going to walk down — (APPLAUSE) — we’re going to walk down. Anyone you want, but I think right here, we’re going to walk down to the Capitol — (APPLAUSE) — and we’re going to cheer on our brave senators and congressmen and women, and we’re probably not going to be cheering so much for some of them. (LAUGHTER) Because you’ll never take back our country with weakness. You have to show strength and you have to be strong.”

(Transkript der Washington Post https://www.washingtonpost.com/politics/interactive/2021/annotated-trump-speech-jan-6-capitol/)

„ We’re going to walk down“. Ist dies ein Aufruf zu dem, was später an diesem Tag am Kapitol geschah? Dies haben die Abgeordneten des US-Kongresses während des zweiten Impeachments (Amtsenthebungsverfahrens) gegen Donald Trump zu entscheiden. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass man Worte sehr vorsichtig wählen sollte, da die Interpretation (ungewollte) Taten zur Folge haben kann.

Worte haben Macht

Worte haben Macht und sind unser wichtigster Kommunikationsweg. Sprache ist zudem eng mit unserem Denken verbunden. Sogar unsere Muttersprache beeinflusst, wie wir die Welt sehen. Zudem können Worte verändern, wie wir denken und Wörter können uns unbewusst beeinflussen. Dabei werden wir nicht nur in der Politik oder der Werbung von der Macht der Worte beeinflusst; Worte beeinflussen Tag für Tag, wie wir denken und handeln und sogar was wir wie wahrnehmen und woran wir uns erinnern.

Schon Wilhelm von Humboldt befasste sich mit der Frage, wie eng Sprache und Denken zusammenhängen. In „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts“ aus dem Jahr 1836 heißt es:

„Die Sprache ist gleichsam die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker; ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache; man kann sich beide nie identisch genug denken.“

(https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Sprache&f_autor=1847_Wilhelm+von+Humboldt)

Sprache und Denken sind eng verbunden

Mit der Frage, wie eng Sprache, Denken und damit auch Handeln zusammenhängen, beschäftigen sich Linguisten, Hirnforscher und Philosophen schon lange. Einige von ihnen vertreten die These, dass Sprache unser Denken bestimmt. Worte prägen damit unser Denken und Handeln. Schon mit dem Erlernen der Muttersprache lernen wie bestimmte Denkmuster, die unser Handeln beeinflussen. Wie Worte uns bewegen, merken wir beispielsweise in einem Roman oder einem Lied, die uns berühren. Worte können verletzten oder uns zu tränen rühren. Oft denken wir über Worte, die wir gelesen, gesagt oder gehört haben noch tagelang nach.

Worte helfen uns dabei, Informationen einzuordnen. Wir bilden im Gehirn Verknüpfungen und Assoziationen. Eine besonders große Macht üben dabei Metaphern aus, die bestimmte Bilder entstehen lassen. Gerade in politischen Debatten können Metaphern sehr wirksam sein – nicht nur als rhetorisches Mittel. Metaphern können Bedeutungen verändern und Handlungen auslösen. Ein Beispiel ist die Metapher des „Kriegs gegen den Terror“, der letztlich zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak geführt hat. Metaphern haben damit die Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Bedeutungsunterschiede schon durch kleine Worte

Manchmal können schon kleine Worte wie Artikel unsere Wahrnehmung und wie wir die Welt sehen, beeinflussen. Ein Experiment ergab, dass Muttersprachler des Deutschen Brücken (im Deutschen „die Brücke“) als elegant und friedlich empfinden, spanische Muttersprachler (im Spanischen „el puente“ mit männlichem Artikel) eine Brücke als gewaltig und stark empfinden.

Die Muttersprache kann sogar so grundlegende Dinge wie die räumliche Orientierung prägen. In einigen Sprache gibt es beispielsweise keine Begriffe für „links“ oder „rechts“. Auch die Farbwahrnehmung kann von der Muttersprache geprägt sein. In einigen Sprachen ist beispielsweise das Wort für „grün“ und das Wort für „blau“ gleich. Andere Sprachen hingegen unterscheiden nach verschiedenen Blautönen.

Sprache kann darüber hinaus beeinflussen, an was wir uns erinnern. Muttersprachler des Englischen benennen beispielsweise oft, wer etwas getan hat. Sprecher des Spanischen oder des Japanischen beschreiben oft eher den Vorgang, der Verursacher ist weniger wichtig. Zeitkonzepte sind ebenfalls in einigen Sprachen anders, als wir es aus dem Deutschen gewohnt sind.

Wortwahl reflektieren

Die Macht der Sprache zeigt sich damit in verschiedensten Ausprägungen. Diese Beispiele zeigen, wie sich Sprache auf unsere Wahrnehmung und unser Handeln auswirkt. Daher ist es nicht nur für Menschen in verantwortungsvollen Positionen wichtig, die eigene Wortwahl und wie sich diese auf das Denken und die Wahrnehmung der Zuhörer*innen oder Leser*innen auswirken kann, zu reflektieren. Wir alle sollten unserer Wortwahl mehr Beachtung und Aufmerksamkeit schenken, denn Worte beeinflussen unsere Wahrnehmung und unser Handeln.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/illustrations/geist-gehirn-denkweise-wahrnehmung-544404/

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Gewaltfreie Kommunikation ist ein Thema, das während meines Studiums der Angewandten Sprachwissenschaft nur am Rande vorkam. In Seminaren, in denen es beispielsweise um Gesprächsführung ging, wurde darauf nicht näher eingegangen. Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation (GFK), die auch unter Begriffen wie wertschätzende Kommunikation bekannt ist, ein Thema, mit dem sich eine nähere Beschäftigung lohnt und mit dem ich mich in Zukunft nochmal näher befassen möchte. Bei einigen Bildungsträgern werden übrigens auch Weiterbildungen hierzu angeboten.

Begründer Marshall B. Rosenberg

Entwickelt wurde das Konzept der Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg. Rosenberg war ein amerikanischer Psychologe, der das Center vor Nonviolent Communication gründete und in vielen Ländern als Mediator tätig war. In den 1960er Jahren setzte sich Rosenberg mit der Bürgerrechtsbewegung auseinander und unterstützte das Ende der Rassentrennung an amerikanischen Schulen. Aus diesem Engagement ging die Gewaltfreie Kommunikation hervor.

Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist es, so miteinander umzugehen, dass die Kommunikation miteinander vertrauensvoller und wertschätzender ist. Dies gilt für die alltägliche Kommunikation, aber auch für die Kommunikation in Krisen- und Konfliktsituationen. Auch in Schulen, Organisationen, Institutionen und bei internationalen Konflikten kommt das Konzept zum Einsatz. Menschen sollen eine wertschätzende Beziehung aufbauen, die zu mehr Kooperation führen soll.

Empathie Grundvoraussetzung

Damit eine wertschätzende Kommunikation gelingt, ist Empathie eine wichtige Voraussetzung. Menschen sollen sich auf der einen Seite ehrlich und klar ausdrücken, auf der anderen Seite aber auch empathisch zuhören. Die GFK richtet sich daher auf die Gefühle und Bedürfnissen, die hinter einem Konflikt stehen.

Zum Grundmodell der GFK gehören vier Schritte:

1. Beobachtung

2. Gefühl

3. Bedürfnis

4. Bitte.

Die Beobachtung ist eine konkrete Handlung oder das Unterlassen einer Handlung, die ohne Bewertung oder Interpretation angesprochen werden sollte. Diese Beobachtung löst ein Gefühl aus, dass mit einem Bedürfnis, zum Beispiel nach Verständnis oder Sicherheit, verbunden ist. Daraus geht dann eine Bitte hervor. Diese sollte einen konkrete, möglichst erfüllbare Handlung in der Gegenwart sein.

Bitten leichter erfüllbar als Wünsche

Bitten sind im Gegensatz zu Wünschen leichter direkt zu erfüllen. Rosenberg schlägt vor, Bitten in einer positiven Sprache zu formulieren. Man sollte daher direkt sagen, was man will und nicht, was man nicht will. Rosenberg fasst die vier Schritte in dem Satz

„Wenn ich a (Beobachtung) sehe, dann fühle ich b (Gefühl), weil ich c (Bedürfnis) brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d (Bitte).“

zusammen.

Ein weiterer Punkt bei Rosenberger ist das empathische Zuhören. Daraus sollen die vier oben genannten Aspekte herausgefiltert werden. Der Zuhörer kann überprüfen, ob er den Sprecher richtig verstanden hat, indem er die Informationen wiedergibt, beispielsweise in der Frage „Fühlst du …, weil dir … wichtig ist?“. Dies spiegelt dem Sprecher zudem wider, ob er seine Gefühle und Bedürfnisse klar ausgedrückt hat.
Aus Rosenberger selbst gesteht ein, dass die Umsetzung der GFK Zeit und Geduld braucht. Zudem müssen sich die Anwender selbst weiterentwickeln, um Gefühle und Bedürfnisse klar und offen anzusprechen. Beide Seiten müssen sich auf diese Form der Kommunikation einlassen, was oft ein langer Prozess ist.

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