Spurensuche Wortbedeutungen

Mit der Bedeutung und der Herkunft von Wörtern habe ich mich an dieser Stelle ja bereits des öfteren beschäftigt. Worte, Sätze und Sprache bestimmen meinen Alltag. Von Zeit zu Zeit taucht ein Wort auf, dessen genaue Bedeutung mir nicht bewusst ist. Vielleicht befindet sich das Wort nur im passiven Wortschatz, das heißt, man versteht es, wenn man es liest oder hört, verwendet es aber nicht selbst. Von Zeit zu Zeit hört oder liest man aber ein Wort, dessen Bedeutung einem gänzlich unklar ist.

In den vergangenen Tagen und Wochen tauchte in der Medienlandschaft ein Wort auf, dass hierzulande doch eher selten verwendet wird: die Schmähkritik. Wenn ich ein derartiges Wort aufschnappe, interessiert mich als Linguistin die Bedeutung dahinter. Mir reicht dabei meist ein Blick auf Wikipedia oder eine Google-Suche. Hilfreich ist aber auch die Webseite des Dudenverlags. Wer wissenschaftlich arbeitet, würde zunächst ein Bedeutungswörterbuch zu Rate ziehen. Oft interessieren sich Sprachwissenschaftler jedoch nicht nur für die Bedeutung eines Wortes, sondern auch für seine Herkunft und ob es im Laufe seiner Geschichte einen Bedeutungswandel erfahren hat. Wenn dies bereits untersucht wurde, findet man die Informationen in einem Herkunftswörterbuch.

Bei der „Schmähkritik“ reichte mir aber Google und Wikipedia völlig aus. Der erste Wortteil „Schmäh“ ist ein umgangssprachlicher Begriff, der vor allem in Österreich verwendet wird. Besonders bekannt ist wohl der „Wiener Schmäh“, die freundliche, ironische Art, die den Wienern nachgesagt wird. „Schmäh“ selbst bedeutet zunächst einmal „Trick“ oder „Schwindel“. Wir kennen zudem das Verb „etwas verschmähen“, also etwas ablehnen. Bezogen auf eine Person bedeutet „jemanden schmähen“ eine Person mit verächtlichen Reden zu beleidigen. Und hier sind wird nun auch auf die Spur zur Bedeutung der „Schmähkritik“ gestoßen: die Äußerung einer Meinung, bei der es nicht um sachliche Kritik geht, sondern darum eine Person herabzusetzen oder gar zu beleidigen.

Die Suche nach der Wortbedeutung kann manchmal ein Puzzlespiel sein. Linguisten hangeln sich in der Semantik, der Lehre der Wortbedeutungen, durch ein Wortfeld, ziehen Vergleiche, grenzen ab. In manchen Fällen sind die Bedeutungsunterschiede sehr klein. Daher werden im Alltag Begrifflichkeiten als Synonyme verwendet, die streng genommen doch einen kleinen Bedeutungsunterschied aufweisen oder vom Sprecher eine unterschiedliche Intention mit auf den Weg bekommen, beispielsweise wenn man ein Fremdwort dem deutschen Begriff vorzieht. So bedeutet „schmähen“ nicht exakt das gleiche wie „beleidigen“. Eine Beleidigung kann auch auf anderem Weg erfolgen, beispielsweise durch einen ausgestreckten Mittelfinder. Bei der Schmähung liegt ein Bedeutungsmerkmal darin, dass es um eine Rede oder ähnliche mündliche Aussage geht.

Bild: www.pixarbay.com

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