Sprache und Denken

Sprache und Denken hängen sehr eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. All das, was um uns herum geschieht, bestimmt unser Denken und unsere Sprache. Doch ob diese von Sprache zu Sprache unterschiedlich ist, wird in der Sprachwissenschaft kontrovers diskutiert. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang das Beispiel der Inuit angeführt, die angeblich sehr viele unterschiedliche Wörter für Schnell haben. Tatsächlich gibt es in der Sprache der Inuit nicht mehr Wörter für Schnee, als in anderen Sprache, allerdings wirkt beispielsweise die Zusammensetzung „fallender Schnee“ in der Sprache der Inuit wie ein Wort. Allerdings kennen wir auch in anderen Sprache unterschiedliche Begriffskombinationen für Schnee.

Lange Zeit wurde auch innerhalb der Sprachwissenschaft dieses Beispiel herangezogen, um zu verdeutlichen, dass sich die Sprache bestimmter Sprechergruppen an ihre Lebensumstände angepasst habe. Der Zusammenhang zwischen Sprache und Denken ist ein faszinierendes Thema in der Sprachwissenschaft, mit dem sich Experten schon seit Jahrhunderten beschäftigen. Während die Frage früher auch in einer Art philosophischen Kontext diskutiert wurde, beschäftigt die Thematik heute auch die Psycholinguistik.

Eine der Thesen zu diesem Thema stammt von dem amerikanischen Sprachwissenschaftler Benjamin Whorf, der sich wiederum auf den Sprachwissenschaftler Edward Sapir beruft. Die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese, die in der Sprachwissenschaft sehr bekannt und oft diskutiert ist, besagt, dass die Sprache das Denken formt. Schon im 19. Jahrhundert setzte sich Willhelm von Humboldt mit dem Einfluss der Sprache auf das Denken auseinander.

Laut der Sapir-Whorf-Hypothese wird die Art, wie ein Mensch denkt, sehr stark durch die Grammatik und den Wortschatz seiner Muttersprache beeinflusst. Wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, kann ein Gedanke einer Person nicht von einer Person, die eine andere Sprache spricht, verstanden werden.

Wie der Name bereits aussagt, handelt es sich hierbei nur um eine Hypothese, also eine Annahme oder Vermutung. Einige Untersuchungen widerlegen diese These. Zudem wird in der Sprachwissenschaft die Ansicht vertreten, dass wir mit einer Fremdsprache auch eine andere Sicht der Welt kennen lernen. Die Ansicht, dass Sprachen lernen den eigenen Horizont erweitert, wird immer daher wieder vertreten.

Dennoch spielen in diesem Zusammenhang kulturelle Konzepte und unterschiedliche Bedeutungen von Wörtern durchaus eine Rolle. Der dänische Sprachwissenschaftler Louis Hjelmslev verdeutlicht dies an der Bedeutung der Wörter für Holz, Wald und Baum im Dänischen, im Deutschen und im Französischen. So bedeutet das französische Wort „bois“ im Deutschen Holz und Wald, während „forêt“ meist einen großen Wald bezeichnet. In manchen Sprachen unterscheidet sich auch die genaue Bedeutung von Farben. Dies macht Texte zwar nicht, wie manche Sprachwissenschaftler behaupten, grundsätzlich unübersetzbar, dennoch muss man beim Übersetzen und beim Sprachen lernen beachten, dass möglicherweise einem Wort unterschiedlich Bedeutungen zugeordnet sind.

Die Frage, wie Sprache und Denken zusammengehören, ist einer der Aspekte, die die Auseinandersetzung mit Sprache und Sprachen so spannend macht. Jede Sprache ist einzigartig und bei manchen Begriffen liegen durchaus unterschiedliche gedankliche Konzepte zugrunde. Die Frage, wie genau sich Sprache und Denken gegenseitig beeinflussen, konnte bislang aber noch nicht abschließend geklärt werden.

Foto: pixabay.com

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